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OECD Employment Outlook 2025

OECD Employment Outlook 2025 – Die Zukunft der Arbeit im Spiegel globaler Ungleichheiten

Der neue OECD Employment Outlook 2025 zeichnet ein differenziertes, aber auch herausforderndes Bild der Arbeitsmärkte weltweit. Während technologische Innovation und ökologische Transformation neue Chancen eröffnen, verschärfen sich gleichzeitig soziale Ungleichheiten und strukturelle Spannungen. Der Bericht ist weit mehr als eine Momentaufnahme: Er zeigt, dass die Zukunft der Arbeit nicht allein von Wachstum und Effizienz abhängt, sondern vor allem davon, wie fair und inklusiv dieser Wandel gestaltet wird.

Arbeitsmärkte zwischen Resilienz und Druck

Die OECD hebt hervor, dass sich die Arbeitsmärkte nach den Krisenjahren von Pandemie und geopolitischen Spannungen zwar erstaunlich widerstandsfähig gezeigt haben, dass aber die strukturellen Herausforderungen ungelöst bleiben. In vielen Ländern liegt die Beschäftigung auf Rekordniveau, gleichzeitig steigen Unsicherheiten durch Inflation, steigende Lebenshaltungskosten und globale Lieferkettenrisiken. Vor allem für Geringverdiener und Beschäftigte mit niedriger Qualifikation bedeutet das, dass sie trotz Arbeit finanziell kaum vorankommen. Arbeit allein schützt nicht mehr automatisch vor Armut – eine zentrale Diagnose des Reports.

Technologie und Digitalisierung, die Chancen mit Schattenseiten

Die OECD bestätigt, dass Digitalisierung und Automatisierung die Arbeitsmärkte tiefgreifend verändern. Sie betont jedoch stärker als andere Institutionen die sozialen Folgen. Während hochqualifizierte Fachkräfte von neuen Technologien profitieren, droht ein wachsender Teil der Beschäftigten abgehängt zu werden. Plattformarbeit, Gig Economy und befristete Verträge haben zwar für viele Menschen den Zugang zu neuen Einkommensquellen geöffnet, bringen aber auch Instabilität und fehlende soziale Absicherung mit sich. Der Report fordert daher einen klaren politischen Rahmen, um sicherzustellen, dass Flexibilität nicht auf Kosten von Sicherheit geht.

Grüne Transformation ist kein automatischer Gewinn

Auch die ökologische Wende ist im OECD-Bericht ein zentrales Thema. Der Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft schafft neue Jobs in Bereichen wie erneuerbare Energien oder nachhaltige Infrastruktur, führt aber gleichzeitig zu Arbeitsplatzverlusten in traditionellen Industrien. Die OECD mahnt an, dass dieser Wandel nicht automatisch inklusiv verläuft. Ohne begleitende arbeitsmarktpolitische Strategien drohen bestimmte Regionen und Bevölkerungsgruppen dauerhaft zurückzufallen. Ein „just transition“, also ein gerechter Übergang, ist nur möglich, wenn Weiterbildung, Umschulung und soziale Absicherung systematisch ausgebaut werden.

Weiterbildung als Schlüssel zur Teilhabe

Der Report betont unmissverständlich, dass Weiterbildung und lebenslanges Lernen entscheidend sind, um die Transformation fair zu gestalten. Länder, die in Weiterbildung investieren, haben bessere Chancen, Ungleichheit zu verringern und Produktivität zu steigern. Doch die Realität zeigt: Gerade jene, die Weiterbildung am dringendsten benötigen, haben oft den schlechtesten Zugang. Geringqualifizierte, ältere Beschäftigte oder Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen nehmen deutlich seltener an Weiterbildungsprogrammen teil. Die OECD fordert daher ein radikales Umdenken in der Bildungspolitik: Weiterbildung muss niedrigschwellig, zugänglich und mit finanzieller Unterstützung versehen sein, um wirksam zu sein.

Ungleichheiten im Fokus

Ein zentrales Motiv des OECD Employment Outlook 2025 ist die wachsende soziale Spaltung. Die Löhne entwickeln sich sehr unterschiedlich, die Vermögensungleichheit steigt, und die Polarisierung zwischen hochqualifizierten Wissensarbeitern und Beschäftigten im Niedriglohnbereich vertieft sich. Auch zwischen Männern und Frauen, Stadt und Land, Jung und Alt zeigt der Report deutliche Bruchlinien. Ohne gezielte politische Intervention droht die Transformation, bestehende Ungleichheiten nicht zu mindern, sondern weiter zu verschärfen.

Die Rolle der Politik und der Institutionen

Deutlicher als viele andere Analysen macht die OECD klar: Die Zukunft der Arbeit darf nicht allein dem Markt überlassen werden. Politische Rahmenbedingungen, Sozialpartnerschaften und funktionierende Institutionen sind unverzichtbar, um den Wandel gerecht zu gestalten. Dazu gehören Reformen in der sozialen Sicherung, die auch atypische Beschäftigung abdecken, Investitionen in Bildungssysteme sowie neue Modelle der Mitbestimmung. Nur so kann gewährleistet werden, dass technologischer und ökologischer Fortschritt nicht nur Effizienz, sondern auch Fairness bringt.

Fazit: Arbeit neu denken

Der OECD Employment Outlook 2025 ist keine dystopische Prognose, sondern ein dringender Handlungsaufruf. Er zeigt, dass die Arbeitswelt widerstandsfähig und anpassungsfähig ist, dass aber Ungleichheiten die grösste Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt darstellen. Technologie und Nachhaltigkeit eröffnen enorme Chancen, doch sie führen nicht automatisch zu mehr Gerechtigkeit. Es braucht entschlossene Investitionen in Weiterbildung, faire Übergänge in neue Branchen und ein soziales Netz, das auch unter veränderten Bedingungen trägt. Die Zukunft der Arbeit wird davon abhängen, ob es gelingt, Wachstum und Inklusion miteinander zu verbinden – oder ob der Fortschritt nur wenige erreicht.

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