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Die neue Realität der Arbeit: Wenn selbst HR nicht mehr sicher ist

Die neue Realität der Arbeit: Wenn selbst HR nicht mehr sicher ist

IBM streicht HR-Stellen – ein Weckruf

IBM kündigte kürzlich an, Hunderte HR-Stellen zu streichen – und nannte als Hauptgrund die zunehmende Automatisierung durch Künstliche Intelligenz. Dieser Schritt ist nicht nur symbolisch, sondern paradigmatisch. Denn er betrifft ausgerechnet den Unternehmensbereich, der lange als "menschlich" und "unersetzlich" galt: das Human Resources Management. Die Nachricht zeigt eindrücklich, wie tiefgreifend sich die Arbeitswelt verändert – und wie dringend ein systemischer Diskurs über die Folgen dieser Transformation ist.

Drei Dimensionen des Umbruchs

1. Wenn KI Personalentscheidungen trifft

IBM setzt generative KI mittlerweile in weiten Teilen des Rekrutierungs- und Talentmanagementprozesses ein. Von der Stellenausschreibung über das Matching bis zur Personalentwicklung übernimmt die Technologie Aufgaben, die früher hochqualifizierten HR-Fachkräften vorbehalten waren. KI analysiert Fähigkeiten, prognostiziert Potenzialverläufe und trifft Vorauswahlen. Was bleibt für den Menschen übrig? Coaching? Konfliktlösung? Kulturarbeit? Oder ist auch das bald automatisierbar?

2. Die Auflösung traditioneller Jobprofile

HR war bislang einer der stabileren Funktionsbereiche. Dass nun selbst hier Jobs wegrationalisiert werden, zeigt: Kein Sektor ist mehr immun gegen Automatisierung. Neue Jobprofile entstehen – aber nicht im gleichen Tempo, wie alte verschwinden. Der "AI Displacement Gap" wächst. Die künftige Herausforderung liegt nicht nur im Upskilling, sondern im Reframing von Arbeit selbst.

3. Wertschöpfung ohne Wertgefühl?

Arbeit war für viele Menschen mehr als Erwerb – sie war Quelle von Sinn, Identität, Struktur. Wenn KI Prozesse übernimmt, ohne diese emotionalen Dimensionen zu berücksichtigen, entsteht ein Vakuum. Die Frage ist nicht nur, welche Arbeit durch KI ersetzt wird – sondern auch, welche sozialen Funktionen dadurch verloren gehen. Die Integration dieser Perspektiven ist zentral für eine humane KI-Zukunft.

Was jetzt tun?

Frühwarnsysteme entwickeln: Wo entstehen in Schweizer Unternehmen ähnliche Automatisierungstendenzen? Welche Sektoren sind als Nächstes betroffen?

Neue Rollen und Identitäten gestalten: Welche "Post-HR"-Kompetenzen brauchen Unternehmen, wenn KI Routine- und Auswahlprozesse übernimmt?

Sozialverträglichkeit mitdenken: Wie lässt sich Automatisierung so gestalten, dass sie Ermächtigung statt Entwertung bedeutet?

Fazit: KI ist kein HR-Tool – sie verändert das Spielfeld

Die IBM-Entscheidung markiert eine Zäsur. Wenn selbst HR durch KI ersetzt wird, stehen wir nicht vor einer weiteren Effizienzrunde – sondern vor einem fundamentalen Wandel dessen, was Arbeit bedeutet. Das macht die Aufgabe von Think Tanks wie dem unseren umso relevanter: Wir müssen nicht nur die Technik verstehen, sondern auch die Gesellschaft, die wir damit gestalten.