BCG AI at Work 2025: Fortschritt mit Hindernissen
Der neue BCG AI at Work Report 2025 zeigt, wie sehr sich künstliche Intelligenz in den Arbeitsalltag integriert hat – und gleichzeitig, wie gross die Lücken bleiben. Die weltweite Umfrage unter mehr als 10.000 Beschäftigten zeichnet ein Bild von einer Technologie, die einerseits enorme Produktivitätsgewinne ermöglicht, andererseits aber an mangelnder Schulung, fehlenden Tools und unzureichender Führung scheitert.
KI im Alltag – aber nicht für alle
72 Prozent aller Befragten nutzen KI regelmässig bei der Arbeit, doch bei den Mitarbeitenden an der Front stagniert die Nutzung bei 51 Prozent. Während Führungskräfte und Manager KI zunehmend selbstverständlich einsetzen, stossen Mitarbeitende ohne Führungsverantwortung auf eine unsichtbare Decke: fehlendes Training, unklare Prozesse und mangelnde Unterstützung von oben.
Vertrauen wächst, Sorgen bleiben
Auffällig ist, dass Optimismus und Vertrauen in KI seit 2018 stark gestiegen sind. Immer mehr Menschen sehen in der Technologie eine Chance, während Sorgen wie Angst und Skepsis zurückgehen. Gleichzeitig fürchten jedoch 41 Prozent der Befragten, dass ihr Job in den nächsten zehn Jahren durch KI verschwinden könnte – besonders in Ländern mit hoher Nutzung wie Spanien oder Indien. Der Fortschritt erzeugt also paradoxerweise auch neue Unsicherheiten.
Produktivitätsschub ohne klare Anleitung
Fast die Hälfte der regelmässigen Nutzerinnen und Nutzer spart mit KI mehr als eine Stunde pro Tag ein. Doch nur ein Drittel weiss, wie diese Zeit sinnvoll eingesetzt werden soll. Manche investieren sie in Weiterbildung, andere in strategische Arbeit oder persönliche Erholung – doch ohne klare Leitplanken verpufft ein Teil des Potenzials. Unternehmen, die ihre Workflows mit KI konsequent neu gestalten, erzielen deutlich grössere Effekte: Sie sparen nicht nur Zeit, sondern treffen bessere Entscheidungen, fördern strategische Arbeit und stärken die Motivation.
Drei Hebel für erfolgreiche Einführung
BCG identifiziert drei Hebel, die den Unterschied machen: gründliches Training, Zugang zu den richtigen Tools und echte Unterstützung durch die Führungsebene. Heute fühlen sich nur 36 Prozent der Beschäftigten ausreichend geschult. Fast vier von zehn geben an, nicht die passenden Werkzeuge zu haben, und mehr als die Hälfte würde im Zweifel auf nicht autorisierte KI-Tools ausweichen – ein enormes Sicherheitsrisiko. Besonders deutlich wird die Rolle von Leadership: Dort, wo Führungskräfte den Einsatz aktiv begleiten, steigt die Nutzung, die Zufriedenheit und die wahrgenommene Karriereperspektive erheblich.
AI Agents – grosse Erwartungen, wenig Realität
Besonders im Fokus stehen sogenannte AI Agents – autonome Systeme, die ganze Aufgaben oder Prozesse selbständig erledigen können. Drei Viertel der Befragten erwarten, dass sie in den nächsten drei bis fünf Jahren wichtig werden. Doch nur 13 Prozent erleben diese heute bereits in die Arbeitsprozesse integriert. Die meisten Unternehmen experimentieren noch, und viele Mitarbeitende verstehen gar nicht genau, was AI Agents eigentlich sind. Ohne klare Kommunikation über Nutzen, Risiken und Verantwortlichkeiten droht hier eine Lücke zwischen Potenzial und Praxis.
Fazit: Von der Einführung zum echten Mehrwert
Der AI at Work Report 2025 macht deutlich: KI ist längst im Arbeitsalltag angekommen. Doch zwischen Potenzial und Realität klafft eine Lücke. Unternehmen, die sich auf blosses „Roll-out“ von Tools beschränken, werden nur einen Bruchteil des Wertes realisieren. Erst wenn Prozesse neu gedacht, Mitarbeitende gezielt weitergebildet und Führungskräfte aktiv eingebunden werden, entfaltet KI ihren vollen Nutzen. Der Weg führt von der Einführung zur Transformation – und nur wer ihn konsequent geht, wird im Wettbewerb bestehen.